Rita in der Weide
Mrz 18th, 2009 | Autor: Grüne Attendorn | Rubrik: Die Grüne im Stadtrat
Wer ist Rita in der Weide? Politisch interessierten Einwohnern unserer Heimatstadt Attendorn ist die 51-Jährige sicherlich längt ein Begriff, ist sie doch seit nunmehr zehn Jahren das “grüne Gewissen” in der Stadtverordnetenversammlung.
Meine Jugend- und Lehrjahre
Mein Name ist Rita Therese in der Weide. Vielen bin ich jedoch noch unter dem Namen Rita Pickart bekannt, doch das ist seit meiner Hochzeit am 11.11.2008 - wie es sich in der Narrenhochburg Attendorn gehört natürlich um 11.11 Uhr - mittlerweile Vergangenheit. Geboren wurde ich im Jahr 1957 in Attendorn als Tochter einer seit Generationen ortsansässigen Familie.
Wie es sich damals gehörte, besuchte ich in jungen Jahren die Volksschule. Nach dem Schulabschluss im Jahr 1972 absolvierte ich bis 1975 eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin. Ausgestattet mit einer soliden Ausbildung flüchtete ich dann aus Attendorn. Ich wollte hinaus in die Welt und landete mitten im geteilten Berlin. Drei Jahre lang sammelte ich Eindrücke und Erfahrungen in der Großstadt, doch dann - es war im Jahr 1977 - musste ich mir selbst eingestehen, dass das Heimweh zu groß wurde. Also zog ich zurück nach Attendorn.
Politische Engagements in Basis-Initiativen
Aus Berlin habe ich mitgenommen, dass es sich lohnt, im Großen wie im Kleinen Engagement zu zeigen und die Initiative zu ergreifen. Aus diesem Grund begann ich mich im Jahr 1979 politisch zu betätigen. Zunächst in un- oder nur sehr einfach organisierten Kreisen wie der Friedens- oder der Anti-Atomkraft-Bewegung. Politik, und das ist auch heute noch meine feste Überzeugung, beginnt immer unten bei den Menschen an der Basis. Wie viele andere politisch engagierte Bürger dieser Zeit war es für mich lange Zeit unvorstellbar, mich in das feste Korsett von Parteien und Organisationen zu zwängen.
Die ersten Kontakte zu den Grünen
Durch meine politische Arbeit an der Basis blieb es nicht aus, dass ich Anfang der 80er Jahre erste Kontakte zu der neu gegründeten Partie “Die Grünen” knüpfte. Obwohl, wenn man ehrlich ist, waren “Die Grünen” zu dieser Zeit noch gar keine richtige Partei sondern eher ein Zusammenschluss von Bürgerinitiativen, der Neuen Sozialen Bewegung und natürlich aus umweltbewusst denkenden Menschen, die man damals noch ganz offen “Öko-Spinner” nannte. Eine ziemlich bunte Mischung, die von dem Gedanken geeint wurde, dass man Politik für die Bürgerbasis nicht ausschließlich “denen da oben” mit ihren riesigen Parteiapparaten überlassen darf.
Im Jahr 1986 begann ich, die grüne Politik im Kreis Olpe aktiv mitzugestalten. Ein Jahr später warf ich meine anfängliche Scheu vor den Mechanismen einer Partei über Bord und trat den Grünen auch offiziell bei. Wie es zu dieser Kehrtwende kam? Nach jahrelanger Tätigkeit in Basisinitiativen musste ich mir eingestehen, dass es manchmal eben doch ganz sinnvoll sein kann, auf die Strukturen einer Partei zurückzugreifen, solange die Partei immer noch von den Menschen und nicht von ihren Strukturen bestimmt wird. Dafür stehen Die Grünen meiner Ansicht nach auch noch heute.
Vor 20 Jahren: Meine erste Kandidatur für den Stadtrat
Die aktive Mitgliedschaft in einer jungen Partei macht es erforderlich, dass man Verantwortung übernimmt. Und so war das erste “Amt”, das ich bei den Grünen übernehmen durfte, das der Delegierten bei der Landes-Delegierten-Konferenz NRW im Jahr 1987. Dabei blieb es natürlich nicht. Ein Jahr später wurde ich Mitarbeiterin im Büro der Grünen in der Kreisstadt Olpe.
Bei der Kommunalwahl 1989 unternahm ich dann einen Schritt, für den ich viel belächelt wurde. Ich kandidierte für ein Stadtratsmandat in Attendorn. Letztendlich hatte ich natürlich keine Chance. Grün zu wählen war damals selbst auf Bundes- und Landesebene mehr ein Protest denn ein politisches Statement. Auf kommunaler Ebene hingegen war es völlig undenkbar. Und so scheiterte meine erste Kandidatur grandios. Aber zumindest hatte ich eine erste Duftmarke gesetzt und signalisiert, dass auch in unserer Hansestadt Grün fortan eine feste Rolle spielen soll.
Da mir der Weg in die Kommunalpolitik nach der Wahl 1989 vorerst verstellt war, engagierte ich mich in den Folgejahren um so mehr in der Parteiarbeit. Ich knüpfte zahlreiche Kontakte, wurde als Kandidatin für die Bundes-Delegierten-Konferenz der Grünen aufgestellt, und lernte nun von der Pieke auf, wie organisierte Parteipolitik funktioniert. 1994 kandidierte ich erneut für die Stadtverordnetenversammlung in Attendorn und gleichzeitig für den Olper Kreistag. In meiner Heimatstadt Attendorn musste ich mich leider erneut geschlagen geben - eine wirklich bittere Erfahrung - doch auf Kreisebene hatte ich Erfolg und wurde für den Kulturausschuss berufen. Von 1994 bis 1999 arbeitete ich in dieser Funktion im Kreistag.
Gleichzeitig war ich weiter in der innerparteilichen Arbeit aktiv und übernahm 1995 das Amt der Rechnungsprüferin für den Landesverband Bündnis 90/DIE GRÜNEN in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Bis 1999 war ich dort aktiv und wurde gleichzeitig Kreiskassiererin für die Grünen im Kreis Olpe.
Die erste Grüne im Rat der Stadt Attendorn
Dann kam die Kommunalwahl des Jahres 1999. Zehn Jahre vorher war es noch ein hoffnungsloses Unterfangen, sich als Grüne für einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung zu bewerben. Fünf Jahre später scheiterte ich erneut. Diesmal aber sollte es endlich klappen. Attendorn war bereit für eine Grüne Stadtverordnete. Und tatsächlich: Nachdem alle Stimmen ausgezählt waren, stand fest: Zum ersten Mal in der Geschichte der Hansestadt zog eine Kandidatin von Bündnis 90/DIE GRÜNEN in den Rat der Stadt ein! Ein wahnsinniger Erfolg, auf den ich heute noch sehr stolz bin. Übrigens: Nicht nur in Attendorn war ich erfolgreich. Auch auf Kreisebene gelang es mir, ein Mandat zu erringen.
Nun begannen die Jahre, die mir in der Bevölkerung und in der Presse den Titel “Grüne Einzelkämpferin in Attendorn” einbrachten. In der Tat war es so, dass ich in den Jahren 1999 bis 2004 natürlich zunächst einmal lernen musste, wie Kommunalpolitik funktioniert. Wo die anderen Parteien “alte Hasen” hatten, die neue Stadtverordnete unter ihre Fittiche nehmen konnten, war ich darauf angewiesen, mir alles selbst beizubringen. Und das bedeutete Arbeit, Arbeit und noch einmal Arbeit. Zumal ich ja auch die Menschen, die mich gewählt hatten, auf keinen Fall enttäuschen wollte. Deshalb besuchte ich nicht nur die Stadtverordnetenversammlungen, sondern auch so viele Ausschuss-Sitzungen wie möglich. Ein Mammut-Programm, das sich die anderen Stadtverordneten im Rat nicht antun mussten. Aber so ist das eben als “Einzelkämpferin” …
In Attendorn war ich auf mich alleine gestellt. Auf Kreisebene sah das anders aus. Dort hatten wir “Grünen” Fraktionsstatus erlangt und konnten die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen. Doch auch eine Fraktion will geführt werden, und so übernahm ich parallel zu meinen Attendorner Aufgaben 1999 das Amt der Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Kreistag. Weitere Aufgaben, die mir in dieser Zeit übertragen wurden, waren die aktive Mitarbeit im Rechnungsprüfungsausschuss, im Wahlausschuss, im Kulturausschuss, in den Beiräten der JVA, des Jugendzentrums und des Vereins „Frauen helfen Frauen“. Gleichzeitig wurde ich zur ehrenamtlichen Richterin am Verwaltungsgericht Arnsberg berufen.
Auch 2004 ein persönlicher Wahlerfolg
Bei der Kommunalwahl 2004 schaffte ich den erneuten Einzug in die Stadtverordnetenversammlung von Attendorn, leider wieder nur als „Einzelkämpferin“. Auch in den Kreistag wählten mich die Bürgerinnen und Bürger erneut. Wie bereits in den Vorjahren arbeitete ich zusätzlich im Hauptausschuss von Attendorn und nahm so oft es mir möglich war auch an den anderen Ausschüssen teil. Meine Beiratstätigkeiten in der JVA und im Jugendzentrum behielt ich ebenso bei wie die ehrenamtliche Richtertätigkeit in Arnsberg.
2009 begann die dritte Ratsperiode
Bei der Kommunalwahl im Jahr 2009 kandidierte ich wieder für die Stadtverordnetenversammlung und schaffte zum dritten Mal in Folge den Einzug ins Stadt-Parlament. Im Februar 2009 nominierte mich der Attendorner Ortsverband von Bündnis 90/DIE GRÜNEN zusätzlich als Bürgermeister-Kandidatin. Mit meinem persönlichen Ergebnis bei der Bürgermeister-Wahl kann ich allerdings nicht ganz so zufrieden sein, wie mit dem Gesamt-Abschneiden der Grünen. Denn 1,59 Prozent sind in der Tat weniger, als ich mir erhofft hatte. Zumindest aber konnte ich mit meiner Kandidatur ein Stückweit dazu beitragen, dass die GRÜNEN ihr bislang bestes Ergebnis in der Hansestadt einfahren und mit Marius Becker erstmals einen zweiten Stadtverordneten stellen konnten.
Nun freue ich mich darauf, zusammen mit Marius Becker die Grüne Politik in Attendorn in Zukunft gestalten zu können.
